Thilo Weiermann im Interview zum Thema "Tuchqualitäten"

Markisentücher von weinor sind nicht nur wunderschön, sie überzeugen auch durch herausragende Produkteigenschaften. Im Interview mit weinor Geschäftsführer Thilo Weiermann erfahren Sie Wissenswertes über die Entwicklung von weinor Markisentücher und die Vorteile von Acryl- und Polyestertüchern.

 

Wie hat sich die Qualität von Markisentüchern in den letzten Jahren entwickelt?

Ganz früher setzte man Baumwolltücher ein – ein natürliches Material. Der Nachteil war jedoch, dass diese Tücher einliefen und sehr stark an Farbe verloren. So folgte für einen ungefähren Zeitraum von 30 Jahren Acrylmaterial, das in sich selbst sehr wertig ist. Vor circa acht oder neun Jahren schließlich kam Polyestermaterial zum Einsatz.

Und welche Materialien setzt weinor ein?

Heute, in der neuen Kollektion „Colours by weinor“, bieten wir mehr als hundert schön designte Dessins aus Acryl und mehr als fünfzig aus Polyester an.

Welche Eigenschaften haben diese Acryltücher von weinor?

Die weinor Acryltücher sind spinndüsengefärbt. Dies bedeutet, dass schon die Grundmasse, aus der hinterher in einem mehrstufigen Prozess der Faden hergestellt wird, mit hochwertigsten Pigmenten gefärbt ist. Der Faden ist also durch und durch farbig. weinor Acryltücher sind zudem hervorragend ausgerüstet: Sie sind schmutzabweisend, wasser- und ölabweisend.
Polyester wiederum ist elastischer als Acryl, was der Bildung von Wickelfalten und einem Überlängen der Außenkanten vorbeugt. 

Und welche Ursachen haben dann die Wickelfalten und Auslängen der Außenkanten?

In den letzten Jahren gab es die Tendenz zu immer breiteren Markisen mit immer mehr Ausfall. Deshalb setzte man auch immer öfter entsprechende Arme ein, die eine höhere Tuchspannung erzeugen. Dies führt zu einer starken Beanspruchung des Materials, sowohl beim Wickeln als auch speziell in den Außenbereichen des Tuches. Zudem steht das Tuch im Wind, und gerade die Außenkanten werden millionenfach bewegt. Auch dadurch kann ein Überlängen der Außenkanten erzeugt werden.

Es heißt, alles hat Vor- und Nachteile. Wo liegen nun die Stärken und Schwächen von Polyestertüchern?

Polyester ist hochelastisch und besitzt den sogenannten weinor Memory-Effekt. Wenn das Markisentuch ausgefahren ist und Wärme durch zum Beispiel Sonnenenergie hinzugeführt wird, bewegt sich das Material zurück in den ursprünglichen Zustand. Diese Eigenschaft beugt der Bildung von Wickelfalten vor, und auch das Auslängen der Außenkanten wird durch die Elastizität deutlich reduziert.
Der Nachteil von Polyester ist jedoch, dass das Grundmaterial selbst nicht UV-beständig ist.

Und wie kann man Polyestertücher dann UV-beständiger machen?

Es gibt verschiedene Optionen: Eine Möglichkeit ist die Spinndüsenfärbung, wie bei Acryltüchern auch. So werden schon die Grundmaterialien mit hochwertigen Pigmenten gefärbt, so dass die Farbe durch den gesamten Faden geht. Die zweite Möglichkeit ist die Ballen- oder Garnfärbung. Hierbei wird auf das ursprünglich weiße und nicht UV-beständige Polyester Farbe aufgebracht.

Weshalb wird im Markt nicht ausschließlich spinndüsengefärbtes Material eingesetzt?

Auf den Punkt gebracht, ist es letztlich eine Frage der Menge. So erfordert der Einsatz von spinndüsengefärbtem Material eine große Menge an Grundmaterial. Um eine Kollektion herzustellen, sind beispielsweise etwa 50 verschiedene Einzelfarben notwendig. Für jede Farbe wiederum werden fünf Tonnen Grundmaterial benötigt. Ballen- und Fadenfärbung ist dagegen einfacher und flexibler. Diese Methode wird für den Innenbereich gerne eingesetzt. Die Schwierigkeit liegt hier aber im Bereich der UV-Beständigkeit. So bestehen im Markt erhebliche Zweifel, ob dieses Material auf Dauer farbbeständig sein kann.

Wie beeinflusst das Fadenspinnverfahren dann letztlich die Tuchqualität?

Die Frage ist, wie lange das Material schön sein soll. weinor hat entschieden, die genannten Risiken nicht einzugehen, sondern dauerhaft farbbeständiges Material auf den Markt zu bringen. Im Polyester- sowie im Acrylbereich bedeutet das den Einsatz von Spinndüsenfärbung.

Welchen Einfluss hat die Ausrüstung, insbesondere in Bezug auf den Schutz vor aggressiven UV-Strahlen?

Grundsätzlich ist es so, dass alle Markisentücher heute sehr gut ausgerüstet sind. Je schlechter das Grundmaterial im Sinne der UV-Beständigkeit ist, desto mehr UV-Blocker ist in der Ausrüstung, in der Beschichtung, notwendig. Diese werden allerdings im täglichen Gebrauch reduziert – durch Sonneneinstrahlung, aber auch durch zum Beispiel Regen. Die UV-Blocker können ihre Wirkung daher auf Dauer nicht konstant halten.

Welche Rolle spielt Nähen oder Schweißen letztlich für die Qualität des Tuches?

Beide Verfahren sind gute Verfahren. Traditionell wird genäht, wobei die beiden Tuchlagen übereinander gebracht werden. So entsteht eine Aufdopplung, die mit verantwortlich für die Bildung von Wickelfalten im Tuch ist. Über Kleben und Schweißen wurde versucht, die beiden Tuchlagen fester zusammen zu drücken, um diese Aufdopplung zu vermindern. Das hat leider nicht funktioniert.
Heute sind Nähte genauso dick wie geschweißte Verbindungen, und letztlich ist ein optischer Effekt übrig geblieben. Dem einen gefällt das Genähte besser, dem anderen das Geschweißte.
weinor setzt geklebtes oder geschweißtes Tuch dort ein, wo es technisch richtig ist, und genähtes Tuch dort, wo es technisch gut ist.

Der Textilindustrie wird nachgesagt, sie produziere sehr umweltschädlich. Wie geht weinor damit um?

Die eingesetzten Grundmaterialien, Acryl und Polyester, werden zum Beispiel auch in der Herstellung von Babykleidung verwendet. Da kann man sich vorstellen, wie hoch die Sicherheitsstandards sind. Wir vertrauen zusätzlich auf unsere langjährigen Partnerschaften mit sehr großen Zulieferanten, die REACH-, Ökotex- und ISO 9001-zertifiziert sind. Natürlich verfolgen wir deren Qualitäts- und Umweltbemühungen im höchsten Maße. Ich fühle mich hier auf einer sehr, sehr guten und sicheren Seite.

 

 

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